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3. Januar 2018 · von Hubert Redtensteiner

Modernes Niederwildmanagement – Die Hege von Fasan, Rebhuhn und Co

Der Trend der rückläufigen Besätze scheint unaufhaltsam voranzuschreiten.

Wir Jäger müssen lernen, auf Veränderungen in der Kulturlandwirtschaft sowie auf Populationsentwicklungen des Raubwildbestandes richtig zu reagieren.

Europaweit sind in den letzten Jahrzehnten die Niederwildstreckendramatisch zurückgegangen. Rebhuhn, Feldhasen und andere Arten der Feldflur werden auf den nationalen Roten Listen der vom Aussterben bedrohten Tierarten als bedroht oder gefährdet geführt.

Jedem Weidmann ist die Problematik rund um unser Niederwild bekannt. Der Trend der rückläufigen Besätze scheint unaufhaltsam voranzuschreiten.

Die Rückgangsursache ist in Wahrheit eine Kombination aus vielen Parametern.

  • Zuwächse des Haarraubwildes: Umgestaltung der Landschaft, die Tollwutimmunisierung und nachlassende Bejagung vom Menschen
  • Zuwächse beim Rabenvögelbestand
  • Veränderungen in der Feldflur: Flächenzusammenlegung, Einsatz von Pestiziden, intensivere Nutzung und einseitige Fruchtfolgen

Gut 70 % der Verluste bei Bodenbrütern werden allein durch Fuchs, Marderhund und Waschbär verursacht. Um hier wieder ökologisch angepasste Populationen herbeizuführen, müssen wir Jäger aktiv mitwirken. denn das ist aktiver Naturschutz.

Die Universität Göttingen hat in Bezug auf das Rebhuhn festgestellt, dass ein Hauptproblem die erhöhte Kükensterblichkeit ist. Man kam zu dem Ergebnis, dass sie sich im Vergleich zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dramatisch erhöht hat. Somit ist dies der Parameter, der sich im Laufe der Jahrzehnte am stärksten negativ geändert hat – nicht etwa die Wintersterblichkeit aufgrund mangelnder Deckung und Äsung, wie mancher Weidmann vielleicht vermuten möchte.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass insbesondere in der deckungsarmen Jahreszeit ein hoher Beutegreiferdruck durch Rabenvögel für den Verlust von unzähligen Gelegen bzw. des Nachwuchses von immer mehr Tierarten verantwortlich ist. Nicht nur die Gelege von Rebhuhn und Fasan stehen auf den Speisezetteln bestimmter Rabenvögel, sie machen auch nicht Halt vor Gelegen gefährdeter Bodenbrüter und Singvogelarten.

Unter diesem Blickwinkel besteht nicht allein aus der Sicht der Niederwildhege sondern vor allem auch aus der Sicht des Artenschutzes absoluter Handlungsbedarf. Vor allem bei der derzeit hohen Besatzdichte von Elster sowie Raben- und Nebelkrähe ist eine kontrollierte Bejagung eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung unseres Niederwildes.

Raubwildregulierungsmassnahmen:

An der gezielten Fallenjagd, idealerweise mit Lebendfang, führt kein Weg vorbei. Tierfallen waren früher Geräte, die Tiere auf brutale Art und Weise töteten. Dies ist heutzutage nicht mehr notwendig, es gibt auch eine große Anzahl Lebendfallen auf dem Markt.

Lockmittel sind bei erfahrenen Fangjägern kaum noch wegzudenken, denn die Fangerfolge sprechen für sich. Die Inhaltsstoffe entsprechen genau dem Beuteschema von Raubwild, wie Marder, Iltis, Waschbär oder Fuchs.

Gleichmäßig auf dem Fallenboden verteilt, verbreiten sich die darin enthaltenden Duft- und Lockstoffe lang anhaltend in der Falle und der direkten Umgebung. Selbst neue Fallen werden damit schneller vom Raubwild angenommen.

Die tägliche Kontrolle ist nicht nur eine gesetzliche, sondern auch eine moralische Pflicht für jeden Fallensteller!

Motto: Zuerst kommt nicht gefressen werden, dann erst kommt schöner wohnen! (Werner
Kuhn, Lebensraum Brache).

 

Fütterungssysteme und Methodik:

Den Rebhühnern müssen wir den Fütterungen direkt an deren bevorzugten Stellen anbieten, der Fasan hingegen nimmt das Angebot fast überall wahr.

Kurz vor der Eiablage sollte eiweißhaltiges Futter wie hochwertiger, unbedenklicher Putenstarter oder Mehlwürmer unter den Weizen gemischt werden. Durch den hohen Proteinanteil erhöht sich die Anzahl der Eier, da sich die Hennen in bester Kondition befinden. Die Altvögel führen die Jungen direkt und schon ab dem ersten Tag zur Fütterung.  Dies lässt die Sterblichkeit unter 30 % sinken, da kräftige Küken besser eine Schlechtwetterperiode überstehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt wird oft übersehen, nämlich die Tatsache, dass Hühnervögel zu ihrem Wohlbefinden auf die Möglichkeit zum Hudern (Sandbaden) angewiesen sind. Befindet sich ein Haufen Hudersand in der Nähe der Futterstelle, ist man erstaunt, wie schnell und oft dieser angenommen wird – auch im Hinblick auf die Aufnahme von Magensteinen.

Voraussetzung der Futtervorlage durch Futterspender/Automaten:

  • stets trockenes Futter
  • Proteinfutter kann beigemischt werden
  • Nagetiere sollen nicht angezogen werden, dadurch geringerer Raubwilddruck
  • schnell und einfach zu versetzen und transportieren
  • es rutscht nur soviel Korn nach, wie im Moment von den Fasanen/Rebhühnern  aufgenommen wird

Hinweis zur Futternotzeit:

Viele Jäger meinen, dass mit dem Ende von Schnee und Frost auch die Not beendet sei. Das ist ein Irrtum. Der unvergessene Wildmeister Hans Behnke hat diesen Umstand mit dem Spruch: "Hungermonat allerwärts ist der März!" auf den Punkt gebracht.

Und der wusste, wovon er sprach. Es ist also ratsam, den Fasanen (und auch Rebhühnern) je nach Stand der Vegetation bis in den März hinein zu helfen. Es "lohnt"  eben doch, wenn man nicht schon beim ersten Rückschlag gleich wieder verzagt, sondern etwas fürs Niederwild tut.

 

Lebensraumverbesserungen erreichen:

  • Blühstreifen und Hecken
  • Brachflächenanteil erhöhen
  • kein Häckseln und Mulchen zur Brutzeit - das ist die größte "Sünde".

Beispiel: Wildkräutermischungen mindestens 20 Meter breit. Flächen die über Winter stehen bleiben und so dicht sind, dass man nicht hineinsehen kann. 

 

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