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1. August 2026 · von Hubert Redtensteiner

Trophäenbewertung Rehbock: CIC-Punkte selbst berechnen – Schritt für Schritt

SUPERJAGD MAGAZIN | Trophäenkunde

Alle Kriterien, Formeln und Punkte verständlich erklärt – mit Rechenbeispiel und Profi-Tipps

Du hast einen starken Rehbock erlegt und fragst dich, wie viele CIC-Punkte sein Gehörn wert ist? In diesem Artikel erklären wir dir alle Bewertungskriterien nach dem offiziellen CIC-Schema – verständlich, praxisnah und mit einem konkreten Rechenbeispiel. Kein Fachstudium nötig.

 

Was ist die CIC-Bewertung?

Der CIC (Conseil International de la Chasse) hat ein internationales System entwickelt, um Wildtrophäen objektiv und vergleichbar zu bewerten. Für den Rehbock gilt ein eigenes Schema – verteilt auf Maße, Gewicht und subjektive Qualitätsmerkmale.

Das Ergebnis entscheidet über Bronze-, Silber- oder Goldmedaille – oder „nicht ausgezeichnet". International werden diese Bewertungen bei Jagdausstellungen wie der Grünen Woche Berlin oder dem Österreichischen Jagdtag anerkannt.

 

Medaillen-Übersicht

GOLD

SILBER

BRONZE

≥ 130 Punkte

≥ 115 Punkte

≥ 100 Punkte

 » Zum CIC-Trophäenbewertungs-Rechner Rehbock: superjagd.com/trophaenbewertung/rehbock

Wichtig: Das Gehörn muss vor der Bewertung mindestens 3 Monate trocken gelagert sein – frische Gehörne sind schwerer und verfälschen die Bewertung erheblich.

 

Die 7 Bewertungskriterien im Detail

Die offizielle CIC-Rehbockbewertung besteht aus 4 Maßkriterien (objektiv messbar) und 3 Qualitätsmerkmalen (subjektiv bewertet).

  

Kriterium

Beschreibung

Koeffizient

Max. Pkte

Gewicht

Trockenes Gehörn ohne Schädel, in Gramm × 0,1

× 0,1

Länge

Ø beider Stangen in cm × 0,5

× 0,5

Volumen

Wasserverdrängung beider Stangen in cm³

× 1,0

Spreite

Größter Abstand der Stangen in cm × 0,5

× 0,5

Perlung

Stärke und Schönheit der Perlung

0 – 4

4

Rosenstock

Ausbildung und Symmetrie der Rosen

0 – 4

4

Färbung & Enden

Gesamteindruck, Farbe, Enden-Ausbildung

0 – 6

6

 

Schritt für Schritt: So geht die Messung

Schritt 1 – Gehörn vorbereiten & trocknen lassen

Das Gehörn muss vom Schädel getrennt sein und mindestens 3 Monate bei Raumtemperatur, trocken und lichtgeschützt lagern. Erst dann sind die Werte stabil. Idealerweise auf einem Trophäenschild montieren und datumgenau beschriften.

Schritt 2 – Gewicht bestimmen

Das trockene Gehörn wird in Gramm gewogen. Die Punkte berechnen sich nach der Formel:

Formel: Gewicht (g) × 0,1 = Punkte  Beispiel: 385 g × 0,1 = 38,50 Punkte

Schritt 3 – Länge messen

Jede Stange wird einzeln entlang der Außenkrümmung in cm gemessen – vom Rosenstock bis zur Spitze. Dann den Durchschnitt beider Stangen berechnen und mit 0,5 multiplizieren.

Formel: (Stange rechts + Stange links) / 2 × 0,5 = Punkte  Beispiel: (24,2 + 23,6) / 2 × 0,5 = 11,95 Punkte

Schritt 4 – Volumen messen

Das Gehörn wird (ohne Rosen) in ein Messgefäß mit Wasser getaucht und die Wasserverdrängung in cm³ gemessen. Jeder cm³ ergibt 1 Punkt.

 Tipp: Verwende einen Messbecher mit Skala (z.B. 2.000 ml Laborbecher). Fülle ihn auf einen definierten Pegel, tauche das Gehörn ein, lies den Pegelunterschied ab. Wichtig: Rosen nicht eintauchen!

Beispiel: 107 cm³ Wasserverdrängung = 107,00 Punkte

Schritt 5 – Spreite messen

Die größte horizontale Entfernung zwischen den Außenkanten beider Stangen wird in cm gemessen.

Formel: Spreite (cm) × 0,5 = Punkte  Beispiel: 16,4 cm × 0,5 = 8,20 Punkte

Schritt 6 – Qualitätsmerkmale bewerten

Hier ist Erfahrung gefragt – oder ein offizieller Bewerter. Die drei subjektiven Kriterien:

  • Perlung (0–4 Pkte): Gleichmäßige, starke Perlung über die gesamte Stangenlänge → volle Punkte. Glatte Stangen → 0 Punkte.
  • Rosenstock (0–4 Pkte): Gut ausgebildete, symmetrische Rosen → maximal. Kleine, schiefe Rosen → wenige Punkte.
  • Färbung & Enden (0–6 Pkte): Dunkle, gleichmäßige Färbung, gut gefärbte Enden, harmonisches Erscheinungsbild → volle Punktzahl.

 

Rechenbeispiel: Ein starker Buchenbock

Nachfolgend ein vollständiges Bewertungsbeispiel für einen sehr guten Rehbock aus dem Niederösterreichischen Flachland:

 

Gewicht: 385 g × 0,1

38,50 Pkte

Länge: Ø 23,9 cm × 0,5

11,95 Pkte

Volumen: 107 cm³ × 1,0

107,00 Pkte

Spreite: 16,4 cm × 0,5

8,20 Pkte

Perlung

3,00 Pkte

Rosenstock

3,00 Pkte

Färbung & Enden

4,50 Pkte

GESAMTERGEBNIS

176,15 Punkte  GOLD

 

Häufige Fehler bei der Selbstbewertung

  • Zu frisch bewertet: Das Gehörn verliert beim Trocknen bis zu 20% des Gewichts – wer zu früh misst, liegt falsch.
  • Rosen beim Volumen eintauchen: Die Rosen werden beim Volumen nicht mitgemessen – nur der Stangenbereich ab dem Rosenstock aufwärts.
  • Schräge Spreitemessung: Die Spreite wird immer horizontal gemessen – nicht der Abstand zwischen den Spitzen.
  • Zu großzügige Qualitätspunkte: Sei kritisch! Profis geben selten volle Punkte bei allen Kriterien.

 

Tipp: Lass dein Gehörn vor der offiziellen Ausstellung von einem anerkannten Trophäenbewerter (z.B. beim Bezirksjägertag) prüfen. Die Selbstbewertung dient als Orientierung – offiziell zählt nur das Ergebnis eines lizenzierten Bewerters.

 

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Fazit

Die CIC-Bewertung eines Rehbocks ist kein Hexenwerk – wenn man die Kriterien kennt und sauber misst. Gewicht, Länge, Volumen und Spreite lassen sich objektiv bestimmen, die Qualitätsmerkmale erfordern etwas Übung und Erfahrung.

Unser Rat: Besorge dir ein gutes Messbesteck, lass das Gehörn mindestens drei Monate trocknen, und rechne die Punkte in Ruhe durch – bevor du zum Bewerter gehst. So erlebst du keine bösen Überraschungen.

 

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