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2. März 2026 · von Hubert Redtensteiner

MESSESPECIAL · IWA OUTDOORCLASSICS 2026

Sehen, wenn andere blind sind

Die IWA 2026 zeigt: Wärmebild- und Nachtsichttechnik wird leichter, intelligenter und erschwinglicher. Multispektral, KI-gestützte Erkennung und kompakte Bauformen dominieren die Hallen.
MESSESPECIAL · IWA OUTDOORCLASSICS 2026

Nürnberg, Halle 4A. Wer dieser Tage durch die Gänge der IWA OutdoorClassics schlendert, kommt an einem Thema nicht vorbei: Wärmebild- und Nachtsichttechnik. Der Markt boomt, die Geräte werden kleiner, die Sensoren empfindlicher, und die Integration von Künstlicher Intelligenz hält Einzug in die Jagdoptik. Auf der Weltleitmesse für Jagd und Outdoorausrüstung präsentierten in diesem Jahr gleich mehrere Hersteller wegweisende Neuheiten – drei davon stechen besonders heraus: InfiRay, Nocpix und ThermTec.

Die großen Trends: KI, Multispektral und Miniaturisierung

Der übergeordnete Trend auf der IWA 2026 ist eindeutig: weg vom sperrigen Einzelgerät, hin zur multifunktionalen Allwetter-Optik im Jackentaschenformat. Multispektral-Binokulare, die Wärmebild, digitale Tages- und Nachtsicht sowie Laserentfernungsmessung in einem einzigen Gehäuse vereinen, sind das neue Statussymbol der Jagdoptik. Gleichzeitig setzt sich KI-gestützte Bildverarbeitung durch: Selbstlernende Algorithmen verbessern die Bildqualität automatisch je nach Witterungsbedingung, erkennen Wildtiere und unterscheiden sie zuverlässig voneinander. Experten auf dem IWA-Podium brachten es auf den Punkt: Connectivity – die Vernetzung von Zielfernrohr, Ballistikrechner und Smartphone-App – ist kein Luxus mehr, sondern Marktstandard.

Nocpix: Der neue Name einer alten Stärke

Was vor wenigen Jahren noch unter dem Namen InfiRay die Jagdgemeinschaft aufhorchen ließ, trägt heute den Markennamen Nocpix – eine Wortschöpfung aus "nocturnal" und "Pixel". Das Rebranding im Herbst 2024 war keine bloße Umbenennung, sondern der Startschuss für eine klar fokussierte Jagd- und Outdoor-Sparte. Auf der IWA 2026 zeigte Nocpix in Halle 4A, Stand 4A-512, was die neue Marke zu leisten imstande ist. Das Flaggschiff Vista H50R beeindruckt mit einem NETD-Wert von ≤ 15 mK, einem einzigartigen runden AMOLED-Display mit 2.560 × 2.560 Pixel und integriertem Laserentfernungsmesser bis 1.200 Meter. Der Sensor mit 640 × 512 Pixel und 12 µm Pixelabstand liefert selbst bei minimalen Temperaturunterschieden ein gestochen scharfes Bild. Ergänzt wird die Linie durch die kompakte LUMI-Serie, die mit unter 350 Gramm Gewicht das Einsteigerund Mittelklassesegment abdeckt, ohne bei der Bildqualität zu knausern.

InfiRay: Technologieführerschaft mit 1280×1024-Sensor

Die Muttermarke InfiRay – weiterhin im professionellen und technologisch anspruchsvolleren Segment aktiv – zeigte auf der IWA mit dem TS60 aus der TUBE-Serie ein Gerät der Extraklasse. Mit einer Sensorauflösung von 1.280 × 1.024 Pixeln und einem NETD unter 18 mK gehört der verbaute Wärmesensor zum Besten, was auf dem zivilen Markt erhältlich ist. Das 1,03-Zoll-AMOLED-Display mit 2.560 × 2.560 Pixeln und sieben wählbaren Farbpaletten – darunter ein augenschonendes Dunkelgrün – ermöglicht ermüdungsfreie Beobachtungen über Stunden. Die Erkennungsreichweite gibt InfiRay mit bis zu 3.100 Metern an. Für Jagdanwendungen auf mittlere Distanzen steht das überarbeitete MAH50R als Clip-On-Vorsatzgerät zur Verfügung, das nun ebenfalls mit einem integrierten Laserentfernungsmesser und ballistischer Berechnungsfunktion punktet.

ThermTec: Mit dem Ventus in die Multispektral-Ära

Der spektakulärste Auftritt auf der IWA 2026 gehörte zweifellos ThermTec. Der Wärmebildspezialist betrat mit dem Ventus ein komplett neues Marktsegment: Multispektral-Binokulare. Das Gerät vereint in einem klassischen Fernglasgehäuse einen 4K-Ultra-CMOS-Sensor für digitale Tag- und Nachtsicht, einen Wärmebildsensor mit 640 × 512 Pixel und NETD unter 15 mK sowie einen Laserentfernungsmesser. Foto- und Videofunktion sind ebenfalls an Bord. Ab Mai 2026 soll das Ventus im Fachhandel verfügbar sein. Schon im vergangenen Jahr sorgte ThermTec mit dem ultraleichten Cyclone 315 für Aufsehen: Das nur 250 Gramm leichte Wärmebildmonokular mit NETD unter 20 mK und selbstlernenden KI-Algorithmen passt in jede Jackentasche und hat sich als Bestseller in seiner Klasse etabliert. Mit dem HUNT 650 Pro komplettiert ThermTec sein Angebot im Vorsatzgerät-Segment – leistungsstark, dabei aber zu einem für die Geräteklasse bemerkenswert günstigen Einstiegspreis.

Pulsar: Der Symbion LRF setzt den Maßstab im Multispektral-Segment

Der litauische Hersteller Pulsar – in Europa für seine verlässliche Fertigungsqualität bekannt und stolz darauf, als einziger Großhersteller sämtliche Produkte in Europa zu entwickeln und zu assemblieren – präsentierte auf der IWA 2026 mit dem Symbion LRF ein Multispektral-Binokular, das in dieser Klasse neue Maßstäbe setzt. In zwei Varianten erhältlich – dem DXT50 und dem DXR50 –, kombiniert das Symbion LRF Wärmebild, digitale Nachtsicht und vollfarbige 4K-Tagesoptik in einem einzigen Gehäuse, ergänzt durch einen integrierten Laserentfernungsmesser. Beide Modelle teilen die 50-mm-F1.0-Optik und eine thermische Erkennungsreichweite von 2.300 Metern. Der Unterschied liegt im Sensor: Während der DXT50 mit einer Auflösung von 1.280 × 1.024 Pixeln und einem digitalen Vergrößerungsbereich von 2–16x auftrumpft, bietet der DXR50 einen 640 × 480-Pixel-Sensor mit 4–32-facher Vergrößerung – ideal für Beobachtungsaufgaben auf maximale Distanz. Ein fokussierbarer 850-nm-Infrarotilluminator ist in beiden Modellen ebenso an Bord wie ein Bild-in-Bild-Modus für simultane Wärmebild- und Digitalansicht.

Guide Sensmart: ApexVision bringt KI-Power in die Jagdoptik

Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Infrarotentwicklung gehört Guide Sensmart zu den Pionieren der zivilen Wärmebildtechnik. Auf der IWA 2026 rollte das chinesische Unternehmen seine neue Technologieplattform ApexVision aus, die bereits auf der CES im Januar für Aufsehen gesorgt hatte und nun erstmals einem breiten Jagdpublikum vorgestellt wurde. Das Herzstück bildet der eigenentwickelte ApexCore-S1-Infrarotsensor, der in Kombination mit der Nexus-1.0-Bildverarbeitungsplattform und dem KI-gestützten All-Scenario-1.0-Algorithmus arbeitet. Das Ergebnis: deutlich verbesserte Detailschärfe, Kontrastanhebung und eine trägheitsfreie Bildwiedergabe, die bei schnellen Wildwechseln entscheidend sein kann. Für die Jagdanwendung besonders relevant sind das TD650LS-Monokular und das TN650MS-Binokular, beide mit ApexVision-Technologie ausgestattet und auf maximale Bildklarheit bei extremen Witterungsbedingungen ausgelegt. Guide Sensmart betreibt zudem ein eigenes After-Sales-Zentrum in Deutschland – ein Servicevorteil, der im Jagdbereich zunehmend als Kaufargument gewichtet wird.

Fazit: Der Markt reift – und wird demokratischer

Die IWA 2026 hat eindrucksvoll gezeigt: Wärmebild- und Nachtsichttechnik ist längst keine Nischentechnologie mehr. Ob Pulsar mit europäischer Fertigungsqualität, Guide Sensmart mit KI-gestützter ApexVision-Plattform, ThermTec mit dem bahnbrechenden Ventus-Binokular, InfiRay mit Rekordsensorauflösungen oder Nocpix mit dem Rebranding zur jagdfokussierten Premiummarke – der Markt ist in Bewegung wie selten zuvor. Sensoren mit NETD-Werten unter 15 mK, integrierte KI-Algorithmen und drahtlose Konnektivität, die noch vor wenigen Jahren den teuersten Profigeräten vorbehalten waren, finden sich heute in erschwinglichen Mittelklasseprodukten. Wer auf der Pirsch, am Ansitz oder bei der Nachsuche bestmöglich ausgerüstet sein will, hat heute mehr Auswahl denn je – und muss dafür immer weniger ausgeben.

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