Wildrufe richtig einsetzen
So lockst du Rehbock, Rothirsch, Fuchs & Co.
Warum Wildrufe? Die Psychologie des Lockens
Wild kommuniziert ständig akustisch – zur Brunft, bei Gefahr, auf Nahrungssuche oder bei Sozialkontakt. Wer diese Laute kennt und imitieren kann, nutzt den natürlichen Instinkt des Wildes aus. Das Tier folgt dem Ruf, weil es Konkurrenz, Paarungspartner oder Beute vermutet.
Der Schlüssel liegt nicht nur im richtigen Ruf, sondern im Zusammenspiel aus Laut, Intensität, Timing und Windrichtung. Ein perfekter Ruf aus dem Wind heraus ist wertlos.
Tipp: Immer mit dem Wind ansitzen! Der beste Ruf nützt nichts, wenn das Wild Witterung bekommt.
Übersicht: Wildrufe nach Wildart
Die wichtigsten Wildrufe und ihre Anwendung im Überblick:
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Wildart |
Typischer Laut |
Zweck / Anwendung |
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Rehbock |
Fiepen, Schrecken |
Brunftlocken, Vergrämung Nebenbock |
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Rothirsch |
Röhren, Brunftruf |
Brunftlocken, Imponierverhalten |
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Schwarzwild |
Quieken (Frischling) |
Raubwildlocken, Muttertier anlocken |
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Fuchs |
Mäuseklage, Hasenklage |
Raubwildlocken zur Schadwildjagd |
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Wildtaube |
Gurren, Lockruf |
Taubenlocken vor dem Einfall |
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Stockente |
Quaken, Einfalllaut |
Entenjagd, Lockjagd am Gewässer |
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Krähe |
Todesklage |
Krähenlocken, Schadwildjagd |
Alle Wildrufe zum Anhören: superjagd.com/jagd-brauchtum/wildrufe
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Rehbock locken: Fiepen, Schrecken & Blatter
Die Rehbrunft (Juli/August) ist die beste Zeit für den Lockeinsatz. Der Bock ist in dieser Phase territorial und aggressiv – ein fremder Ruf treibt ihn an.
Das Fiepen
Das Fiepen ahmt den Ruf des Kitzes oder der Ricke nach. Es wirkt auf Böcke, die auf Partnersuche sind. Kurze, hohe Töne – 2 bis 3 Mal, dann Pause.
Das Schrecken
Ein lauter, kurzer Alarmlaut der Ricke. Wirkt auf dominante Böcke, die das Revier kontrollieren wollen. Vorsicht: zu häufig eingesetzt scheucht statt zu locken.
Buttolo & Mundblatter – die Klassiker
Der Buttolo (Gummiball-Blatter) und das Mundblatter sind die meistgenutzten Hilfsmittel beim Rehlockern. Beide imitieren das Fiepen der Ricke überzeugend – auch ohne jahrelange Übung.
Tipp: Buttolo: Druck auf den Gummiball erzeugt das Fiepen – ideal für Einsteiger. Mundblatter: mehr Kontrolle über Tonhöhe und Intensität, erfordert etwas Übung.
Original Buttolo-Blatter (Gummiball)
Rothirsch locken: Röhren & Brunftruf
Die Hirschbrunft (September/Oktober) ist das Highlight des Jagdjahres. Das Röhren des Platzhirsches ist ein Imponiergehabe – ein Gegenruf kann ihn direkt provozieren.
Technik beim Hirschruf
Der Ruf muss tief, lang und dominant klingen. Zu hoher oder schwacher Ruf wirkt wie ein junger Schmaltier – der Platzhirsch ignoriert ihn. Ziel: wie ein gleich starker Konkurrent klingen.
Wann einsetzen?
- Frühe Brunft (Mitte September): leichtes Röhren, noch vorsichtig
- Hochbrunft (Ende September/Anfang Oktober): aggressiv, direkte Konfrontation möglich
- Nachbrunft: Ruf deutlich reduzieren, Hirsch ist erschöpft und uninteressiert
Niemals auf einen laufenden Hirsch rufen – er dreht sonst ab! Erst rufen wenn er steht oder äst.
Weisskirchen Hirschruf aus Ochsenhorn (40cm)
Weisskirchen Eifelhirschruf 2-stufig
Raubwild locken: Fuchs, Krähe & Co.
Raubwildlocken funktioniert das ganze Jahr – mit Ausnahme der Schonzeiten. Der Reiz liegt darin, dass Fuchs, Marder oder Krähe auf Beutegeräusche reagieren.
Fuchslocken
Die Hasenklage oder Mäuseklage ist das klassische Mittel. Kurze, klagende Töne in Folge – dann Pause. Der Fuchs nähert sich aus dem Wind heraus, also immer mit dem Wind ansitzen.
Krähenlocken
Die Todesklage (sterbende Krähe) zieht Krähen aus großer Entfernung an. Ideal in Verbindung mit einer Lockfigur (Kunststoff-Krähe) am Ansitz. Wirksamkeit im Frühjahr am höchsten.
Weisskirchen Krähen-Todesklage inkl. CD
Federwild: Enten, Fasan & Wachtel
Beim Federwild ist der Einfall-Lockruf entscheidend – er signalisiert dem anfliegenden Vogel, dass es hier sicher und nahrungsreich ist.
- Stockente: Quaken in kurzen Serien, dann Pause. Einfalllaut tiefer und langsamer als Alarmruf.
- Fasan: Gackern und kurze Rufserie, wirkt besonders in der Dämmerung.
- Wachtel: feines Pfeifen, gut kombinierbar mit Deckungsansitz in Getreidefeldern.
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Die 5 häufigsten Fehler beim Locken
- Zu oft rufen: Das Wild gewöhnt sich an den Ruf – oder erschrickt. Weniger ist mehr.
- Gegen den Wind rufen: Egal wie gut der Ruf – der Geruch verrät dich zuerst.
- Falsches Timing: Außerhalb der Brunft oder Ranzzeit sind viele Rufe wirkungslos.
- Zu nah am Ansitz rufen: Das Wild sucht dann genau dort den Rufer – und sieht dich.
- Kein Sicherungsansitz: Beim Raubwildlocken kommt das Tier schnell und lautlos – immer sichern!
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Fazit
Wildrufe sind eine Kunst, die sich lohnt zu erlernen. Wer die Grundregeln kennt – richtiger Ruf, richtiges Timing, immer mit dem Wind – kann spektakuläre Begegnungen im Revier erleben, die mit passivem Ansitzen nie möglich wären.
Starte mit dem Buttolo beim Rehbock, übe den Hirschruf zu Hause mit einer CD und probiere im Herbst die Krähen-Todesklage – du wirst überrascht sein, wie schnell das Wild reagiert.
Weidmannsheil!
