Mein SuperJagd
Von Jäger für Jäger
Magazin · Jagd Praxis
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15. Juli 2014 · von S.H.

Die hohe Blattkunst - wann und wie?

Für das Blatten gilt wie für vieles andere auch: Übung & Erfahrung macht den Meister

Es wird heftig gestritten, hart diskutiert, und die Meinungen innerhalb der Jägerschaft gehen bei der Blattjagd weit auseinander. Die SuperJagd Redaktion gibt Blattjagd-Tips aus der Praxis.
Die Diskussionen über Alter, Hege mit der Büchse, Erlegung der starken Territorialböcke vor oder nach der Brunft und ähnliches beherrschen seit Jahrzehnten die Diskussionen unter Jägern. Das alles soll hier nicht noch einmal wiederholt werden. Nur soviel: Die Blattjagd ist sicherlich die reizvollste und spannendste Jagd auf den Rehbock.

In der zweiten Junihälfte und Anfang Juli sind die Böcke faul und geradezu unsichtbar geworden. Das ist die Zeit, in der wir das Revier für die Blattzeit vorbereiten. Pirschpfade werden gekehrt und neue angelegt. Bewährte Schirme erhalten eine neue Verkleidung. An "fängigen" Plätzen richten wir weitere ein - das Revier wird präpariert.

Anfang Juli sollte dann alles fertig sein; denn der Beginn der Rehbrunft ist nicht sicher bestimmbar, und er kann von Jahr zu Jahr stark schwanken.


Die klassische Zeit der Rehbrunft

Die klassische Zeit der Rehbrunft liegt in Deutschland und Österreich - und hier ist sich die Fachwelt weitgehend einig - zwischen dem 20. Juli und dem 10. August. Das Brunftgeschehen ist weitgehend abhängig von der Witterung, der Höhe des Bestandes und vor allem dem Geschlechterverhältnis. Extreme sind möglich: So konnte einwandfrei der Beschlag schon am 27. Juni beobachtet werden. Das war der mit Abstand früheste Zeitpunkt, während die späteste Beobachtung eines treibenden Bockes am 15. Oktober registriert wurde.

Die alte Weisheit, dass bei heißem Wetter die Brunft aktiver verläuft, scheint richtig zu sein. Auslöser der Brunft sind selbstverständlich die weiblichen Stücke. Nach meinen Beobachtungen sind es nicht die Schmalrehe, wie häufig behauptet wird, die zuerst brunftig werden. Wie beim Rotwild die Alttiere die Brunft "machen", so sind es beim Rehwild die Gaisen, und zwar offensichtlich die in besonders guter Kondition. Blatten - die richtige Methode

Viele bevorzugen beim Blatten das zwischen Zeigefinger und Daumen beider Hände gespannte Buchenblatt. Aber auch gängige Rehblatter, z.B. HUBERTUS oder WEGU, sind bestens geeignet.

Tipp: Der Fuchs steht ganzjährig auf den Kitzfiep zu.

Das Blatten von Hochsitzen und Kanzeln halten viele für falsch, wir konnten in der Praxis den Nachteil nicht wirklich nachvollziehen. Traditionell findet die Blattjagd aber am Boden statt.


Blatten mit dem Rehblatter

Die Locker sind auf Schmalreh-Fiepton eingestellt. Der Fiepton ist die Umgangs- und Verständigungssprache des Rehwildes und muss daher als die natürlichste und richtigste Blattmethode betrachtet werden. Der Fiepton darf nicht zu hoch eingestellt werden, da sonst weit mehr Geißen als Böcke zustehen. Als Regel merke man sich: nicht zuviel Blatten.

Bei Gebrauch den Blatter so in die hohle Hand nehmen, dass das Mundstück noch etwa 1 cm aus der geschlossenen Hand zwischen Daumen und Zeigefinger hervorragt. Den Blatter an die mäßig zusammengesetzten Lippen ansetzen, nicht in den Mund stecken. Durch einen kurzen Hauch entsteht der kurze, zarte und naturgetreue Fieplaut "fie".

Mann beginne das Blatten erst, nachdem der Stand möglichst geräuschlos eingenommen wurde. Nach einer Ruhepause von ca. 10-15 Minuten beginne man ungefähr folgendermaßen zu fiepen:

2-3 Fieptöne nach verschiedenen Richtungen, dann eine Pause von 1-2 Minuten; darauffolgend 2-3 Fieptöne, wiederum nach einer Pause von 3-4 Minuten wiederhole man dasselbe noch einmal.

Die einzelnen Laute sollen nicht zu rasch aufeinanderfolgen, etwa im Tempo der Atmung: Fieplaut - Einatmen - Ausatmen - Fieplaut usw. Nach dem Blatten sollte man noch 10-15 Minuten am Stand ruhig ausharren, es kommt vor, das bei zu schnellen Abgehen vom Stand der Bock schmählend abspringt. Das Blatten am Erdboden wirkt natürlicher, als das vom Hochsitz aus.

Achtung: Ein Revier kann sehr schnell verblattet werden, das heißt: Zu intensives und falsches Blatten, ohne zuvor die Situation analysiert zu haben, verprellt die Böcke und veranlasst sie zu besonderer Vorsicht.


Blattjagd ist spontane Beutejagd. In den seltensten Fällen wird man viel Zeit zum Ansprechen haben. Dass mancher Bock erlegt wird, den man nie zuvor gesehen hat, macht den großen Reiz dieser Jagdart aus und ist gewissermaßen das Salz in der jagdlichen Suppe.
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