Mein SuperJagd
Von Jäger für Jäger
Magazin · Jagd Praxis
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1. Juni 2005 · von H.R.

Die Rehwildjagd ist eröffnet

Auf wem gilt es zuerst?

Lange vor dem ersten Mai wurde hinausgefahren und versucht, die Böcke und Schmalrehe zu bestätigen.
Die Rehwildjagd ist eröffnet
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Prestige Waffenschrank Modell G-3/14 gehen wir es an: Nach alter Gewohnheit mit dem älteren, noch nicht verfärbten Platzbock – nach dem Motto: besser haben als hätten!? Jeder, der es ernst meint mit der Rehwildbejagung, macht sich auch Gedanken über eine altersklassengerechte Abschöpfung. Das gilt jetzt auch für die Bockjagd. Um die Dinge einfach und plausibel darzustellen, hier ein simples Populationsmodell: Gehen wir von einem Frühjahresbestand von 100 Rehen aus und dem Idealgeschlechterverhältnis von 1:1. Nach der groben Faustregel werden wir einen Zuwachs von zirka 50 Rehen im Mai/Juni erwarten dürfen. Das heißt, um den Bestand auf gleichem Niveau zu halten, müssten 50 Stücke Rehwild entnommen werden. Fallwild durch Verkehr und andere Faktoren werden in diesem Beispiel nicht Berücksichtigt (in der Regel werden Rehwildbestände unterschätzt und das Geschlechterverhältnis zu Ungunsten der Böcke verschoben ist).

Regel 1: Der Haupteingriff soll in der Jugendklasse erfolgen Der jagdliche Haupteingriff soll ja in der Jugendklasse erfolgen bei nur geringen Abschüssen in der Mittelklasse. Da erfahrungsgemäß recht sparsam mit dem Bockkitzabschuss in Herbst und Winter umgegangen wird – häufig werden nur weibliche Kitze freigegeben – wachsen dementsprechend viele Jährlingsbocke heran. Bleiben wir mal bei unserem Beispiel der 50 Rehe auf dem Abschussplan.

Die Hälfte, also 25, sollten männlich sein. 65 Prozent dieser 25, also ungefähr 16 männliche Stücke Rehwild entfallen auf die Jugendklassen Bockkitze und Jährlinge. Es kann sich jetzt jeder an seinem veranschlagten Bockkitzabschuss ausrechnen, wie viele Jährlinge in der Rehjagdsaison geschossen werden sollten. Analog gilt das natürlich auch für den Abschuss des weiblichen Rehwildes, aktuell der Schmalrehe.

Wie gehe ich nun die neue Rehwildsaison? Für den Pächter eines Rehwildreviers eine wichtige Frage. Wenn wir uns von der irrigen Vorstellung befreien können, dass jeder bessere Bock ein Grenzbock ist und deshalb auch – ungeachtet seines Alters – sofort am Morgen des ersten Mai´s erlegt werden muss, so gibt es sehr viele Argumente, sich erst einmal den Jährlingen und Schmalrehen zu widmen. Dies ist auch deshalb in die Praxis umsetzbar, da – im Gegensatz zu mehrjährigen Stücken – sich die einjährigen mit einem hohen Grad an Sicherheit richtig ansprechen lassen. Jährlinge müssen zum ersten Mal erleben, dass sie nicht nur nicht mehr von der Muttergais geduldet werden, die ihren nächsten Nachwuchs setzt, sondern dass territoriale Böcke ihnen in der Regel das Leben schwer machen. Sie werden in dieser Zeit in wilden Jagden aus den Einständen gejagt und landen allzu häufig nach langem Hin und Her sehr oft unter den Rädern der Autos. Die Schmalrehe werden von ihren Müttern meistens ebenfalls abgeschlagen und erleiden häufig ein ähnliches Schicksal, wenn auch nicht ganz so schlimm. Bei den Schmalrehen ist es zu keiner Jahreszeit einfacher, sie von den Gaisen zu unterscheiden als jetzt: Sollte nicht schon die zierliche Gestalt, das Fehlen des rundlichen Leibes einer hochbeschlagenen Gais und der fortgeschrittene Verfärbungszustand die Sache eindeutig machen, so bringt der Blick zwischen die Hinterläufe nach der fehlenden Spinne letzte Gewissheit. Die konzentrierte Jährlingsbejagung Anfang Mai kommt auch den älteren Böcken entgegen. innerartlicher Stress kann mehrfach reduziert werden, denn geschossene Jährlinge brauchen nicht mehr verjagt zu werden. Daher bleiben die älteren Böcke eher in ihren Territorien, denn wo kein Mehrjähriger geschossen wird, finden weniger Wechsel und damit keine zusätzlichen Einstandskämpfe statt.

Regel 2: Nach intensiver Jährlings- und Schmalrehbejagung entlassen wir ab Ende Juni die mehrjährigen und bisher unbejagten Böcke nach dem Prinzip der Intervalljagd in eine jagdliche Sommerpause bis zirka 20. Juli!

Hinweis: Jeder Rehwildjäger, der aufmerksam die Wildbretgewichte seiner Rehe verfolgt, weiß, wie viel Körpersubstanz Böcke in die Brunft investieren. Kommen nun Jährlingsböcke aufgrund einer "demontierten" Altersstruktur –Ältere Bocke werden vor den Jährlinsböcken erlegt - in den zweifelhaften und eigentlich unnatürlichen Genuss einer zu frühen sexuellen Betätigung, wird sehr viel der Energie in die Brunft gesteckt, die eigentlich für die körperliche Entwicklung vorgesehen war. Die Konsequenz sind dann im Folgejahr von Körper und Gehörn her mittelmäßige oder gar unterdurchschnittliche Zweijährige.

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